Hüftgelenksdysplasie

Link´s: HD - C 1/2                               Recht´s: HD - A 0/0             

Der deutliche Fehlstand der Hüfte            Diese Hüfte ist vollkommen in Ordnung

ist bei einem Rüden  mit

8 Monaten ! festgestellt worden.

Die Hüfte rutschte beim laufen

ständig aus der Beckenpfanne,

welches sogar hörbar war.

Der Begriff „Dysplasie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Fehlbildung“. Eine Hüftgelenksdysplasie ist also eine Fehlbildung des Hüftgelenks.

Das Hüftgelenk verbindet den Oberschenkelknochen mit dem Hüftknochen. Es muss sehr beweglich und belastbar sein. Diesen Anforderungen wird am besten ein Kugelgelenk gerecht: Der Gelenkkopf am Ende des Oberschenkelknochens liegt in der Gelenkpfanne der Hüfte – in ihr gleitet er in die verschiedenen Richtungen. Die umliegenden Bänder und die Gelenkkapsel, die die Hüftpfanne auskleidet, sorgen für Stabilität. Die Ränder der Gelenkpfanne müssen einen großen Teil des Gelenkkopfs einschließen, damit er bei bestimmten Bewegungen nicht aus der Pfanne rutschen kann (Luxation). Gerade der oben liegende Teil der Gelenkpfanne, das Pfannendach, ist dabei von besonderer Bedeutung, trägt er doch beim Stehen den größten Teil des Körpergewichts.

Bei der Hüftgelenksdysplasie ist der Hüftkopf nicht ausreichend gesichert, weil die Gelenkpfanne zu flach, also unzureichend ist. So kann der Kopf durch Muskelzug oder unter Belastung aus der Pfanne nach oben herausrutschen.

Etwa zwei bis vier Prozent aller neugeborenen Kinder in Deutschland weisen diese Fehlbildung auf, die damit zu der häufigsten Fehlbildung von Neugeborenen zählt. Dabei sind weitaus mehr Mädchen als Jungen von einer Hüftgelenksdysplasie betroffen.

 

Symptome

Ist nur eine Seite von der Hüftgelenksdysplasie betroffen, kann sich dies durch ungleiche Hautfalten am Gesäß des liegenden Neugeborenen zeigen. Die Ursache hierfür ist, dass der Hüftkopf aus seiner normalen Position herausgerutscht ist.

Zudem entwickeln betroffene Babys bereits in den ersten Lebenswochen eine Art „Schonhaltung“: Die Muskeln, vor allem die an der Innenseite des Oberschenkels befindlichen Adduktoren, sind auf der veränderten Seite stärker angespannt. Dadurch ist das Abspreizen des Beines behindert. Die Eltern bemerken dieses Phänomen in der Regel beim Wickeln. Außerdem erscheint dieses Bein ein wenig kürzer.

Sind beide Hüftgelenke von einer Dysplasie betroffen, entfallen die Zeichen der Asymmetrie. Es besteht nun die Gefahr, dass Fehlbildungen der Hüftgelenke später erkannt werden, wenn der Kinderarzt sie nicht bei der routinemäßigen Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung „U 3“ entdeckt.

Kleinkinder mit einer unbehandelten Hüftdysplasie zeigen beim Laufenlernen einen auffälligen watschelnden Gang. Das Becken ist stark nach vorne gekippt, Bauch und Gesäß werden herausgestreckt. Dies und ein Hohlkreuz sind Zeichen dafür, dass beide Hüftköpfe nicht ordnungsgemäß in den Gelenkpfannen liegen (beiseitige Luxation).
 

Ursachen

Verschiedene Faktoren führen zur Ausbildung einer Hüftgelenksdysplasie. Einer davon, ein sehr entscheidender, ist die Vererbung. Die Gene der Eltern beeinflussen die Anatomie und die Stabilität der Gelenke und Bänder und damit die Gefahr für eine Fehlbildung der Hüftgelenke.

Hinzu kommt die Lage des Kindes im Bauch der Mutter. Hier kann es zu einer übermäßigen Dehnung der stabilisierenden Bänder der Hüftgelenke kommen. Ein Indiz hierfür ist, dass Hüftgelenksluxationen bei Kindern in Steißlage 25 Mal häufiger auftreten als sonst.

Auch die Hormonlage im Körper der Schwangeren wird als möglicher Auslöser diskutiert: Die Hormone im Körper der Mutter sorgen dafür, dass sich die Bänder im Becken lockern, das ist eine wichtige Vorbereitung für den Geburtsvorgang. Aber diese Hormone beeinflussen auch die Entwicklung der kindlichen Knochen. Dies kann unter Umständen zusammen mit anderen Risikofaktoren dazu führen, dass der Hüftkopf aus der Pfanne herausrutscht. Allerdings verschwindet diese Instabilität in den meisten Fällen kurz nach der Geburt, so dass sich die Hüfe normal weiterentwickeln kann.

Da zurzeit noch nicht alle Zusammenhänge des kindlichen Wachstums im Körper der Mutter geklärt sind, ist es durchaus möglich, dass weitere bislang unbekannte Faktoren, die zu einer Hüftgelenksdysplasie beitragen, entdeckt werden.

Wann ist ein Arzt Aufzusuchen?

Wird eine Hüftgelenksdysplasie rechtzeitig erkannt, kann sie in der Regel ohne großen Aufwand erfolgreich therapiert werden. Dagegen hinterlässt eine nicht erkannte Hüftgelenksdysplasie bereits nach einem Jahr ohne Behandlung Spuren, die eine vollständige Heilung verhindern. Am besten sind die Aussichten, wenn bereits im Neugeborenenalter mit der Therapie begonnen wird. Daher ist es wichtig, dass Eltern, die bei ihrem Baby zum Beispiel eine Asymmetrie der Falten unterhalb des Gesäßes bemerken, oder auf andere mögliche Anzeichen der Erkrankung aufmerksam werden, sofort einen Arzt aufsuchen, damit so schnell wie möglich eine Therapie eingeleitet werden kann.
 

Diagnose

Im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung „U3“ für Säuglinge nimmt der Kinderarzt auch eine Ultraschalluntersuchung an den Hüften vor. Hier kann er erkennen, ob eine Fehlbildung vorliegt. Die Untersuchung löst keinerlei Komplikationen aus und bietet die Chance, dass die Hüftgelenksdysplasie rechtzeitig entdeckt und behandelt werden kann.

Bei älteren Kindern muss an die Stelle des Ultraschalls das Röntgen treten: Durch die Entwicklung der Knochen nimmt die Aussagekraft des Ultraschalls ab. Bereits ab dem dritten bis vierten Lebensmonat erlaubt die Röntgenuntersuchung eine zuverlässigere Beurteilung der Hüftgelenke als der Ultraschall.

Anhaltspunkte bieten zudem eine Asymmetrie der Falten unterhalb des Gesäßes, eine Abspreizhemmung eines Beines und ein kürzer erscheinendes Bein.

Nicht mehr durchgeführt wird inzwischen das so genannte Ortolani-Zeichen, da diese Untersuchungsmethode die Gefahr einer Schädigung des Hüftkopfes mit sich bringt. Der Arzt beugt hierfür die Knie und Hüftgelenke des auf dem Rücken liegenden Kindes im rechten Winkel und ertastet dabei das Hüftgelenk. Dann schiebt er die Beine vorsichtig in Richtung des Hüftgelenks. Ist es instabil spürt der Arzt, wie der Hüftkopf aus der Gelenkpfanne nach hinten und oben herausrutscht. Nun werden die Beine langsam gespreizt, so dass der Hüftkopf wieder zurück in die Pfanne gleitet. Der Untersucher bemerkt dies als eine Art „Schnappen“.
 

Behandlung

Die Behandlung ist von Faktoren wie dem Alter des Kindes und dem Stadium der Erkrankung abhängig. Am größten sind die Erfolgsaussichten, wenn die Therapie innerhalb der ersten sechs Lebenswochen beginnt.

Das noch unausgereifte Hüftgelenk des Neugeborenen entwickelt sich nach der Geburt in einem rasanten Tempo. Dies kann sich die Therapie erfolgreich zunutze machen, indem sie die köpereigenen Entwicklungsprozesse steuert und unterstützt: Ein Abspreizen der Beine des Neugeborenen verhindert, dass der Hüftkopf aus der Hüftpfanne herausspringt, denn auf diese Weise wird der Hüftkopf in die Pfanne gedrückt. Das Gelenk ist stabil und kann sich in aller Ruhe entwickeln. Dieses Abspreizen bewirken verschiedene Methoden.

Bei einer milden Dysplasie, bei der der Hüftkopf nicht aus der Pfanne gesprungen ist (Luxation), genügt es bereits, das Baby breit zu wickeln. Die Eltern legen bei jedem Windelwechsel ein breites Windelpaket zwischen die Beinchen, damit sie in einer abgespreizten Position bleiben. In der Regel können die betroffenen Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten geheilt werden.

Ist die Dysplasie stärker ausgeprägt, muss der Arzt auf spezielle Vorrichtungen zum Abspreizen der Beine zurückgreifen. Bekannt ist hier vor allem die Spreizhose, die die gebeugten Beine ohne besondere Fixierung in einer abgespreizten Position hält. Der Säugling kann seine Beine ohne starke Einschränkungen weiter bewegen. Auch eine starke Dysplasie kann so behandelt werden, wenn sie früh genug erkannt wird.

Der Bandagenbehandlung nach Pavlik oder Bernau liegt das gleiche Prinzip zu Grunde: Auch hier wird der Hüftkopf durch Abspreizen der Beine in der Pfanne gehalten. Dabei halten relativ straffe Bandagen die Beine in der gewünschten Stellung. Die Bandagenbehandlung beginnt in der Regel erst nach der sechsten Lebenswoche und kann bis zum zweiten Lebensjahr vorgenommen werden. Auch hier kann der kleine Patient noch Strampelbewegungen machen. Dies ist bei einem Gipsverband nicht mehr möglich. Daher findet er bei ausgesprochen instabilen Hüftgelenken Anwendung, bei denen der Hüftkopf immer wieder aus der Pfanne herausspringt.

Wird bei einem Kind bereits bei der Geburt eine Hüftgelenksluxation festgestellt, so muss zunächst das Gelenk wieder eingerenkt werden, ehe die Abspreizbehandlung einsetzen kann, und zwar mit Hilfe der so genannten Extensionsbehandlung: Durch Strecken lenkt der Arzt den Hüftkopf wieder in die Hüftpfanne.

Da jede Behandlungsmethode Verletzungen des Hüftkopfs nach sich ziehen kann, müssen alle Patienten daraufhin untersucht werden. Der Heilungsprozess erfordert eine engmaschige Kontrolle.

Bringen die beschriebenen konservativen Behandlungsmethoden keinen Erfolg, was jedoch bei frühem Einsetzen der Therapie selten der Fall ist, oder wird eine fortgeschrittene Hüftgelenksdysplasie erst bei einem älteren Kind festgestellt, kann eine Operation notwendig werden. Dabei dürfen die Operationsverfahren nicht die Wachstumszonen des Hüftgelenks verletzen. Sie sollen das Gelenk dauerhaft festigen und eine möglichst natürliche Anatomie wiederherstellen, damit sich spätere Gelenkschäden in Grenzen halten. Bei der Beckenosteotomie nach Salter durchtrennt der Operateur das Darmbein und schiebt über den entstandenen Spalt die Hüftgelenkspfanne so nach außen und vorne, dass sie sich über den Hüftkopf stülpt. Diese „Konstruktion“ stabilisiert ein Knochenkeil, den spezielle halbstarre Metallstifte fixieren. Für die Pfannendachplastik bringt der Operateur einen Knochenkeil in den Bereich des Pfannendachs ein, das auf diese Weise nach außen und nach unten vergrößert wird.

Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene können mit der Triple-Osteotomie versorgt werden. Dabei durchtrennt der Operateur alle drei knöchernen Bereiche des Beckens, also das Sitz-, das Scham- und das Darmbein. Dann verschiebt er sie, so dass sich die Hüftgelenkspfanne über den Hüftkopf schiebt.

Sowohl nach einer Operation als auch nach einer Bandagenbehandlung wird das Gelenk in der Regel zunächst ruhig gestellt. Um nach Abschluss der Behandlung die Beweglichkeit wiederherzustellen, erfolgt eine gezielte Physiotherapie. Sie ist in fast allen Phasen der Behandlung der Hüftgelenksdysplasie eine sinnvolle Begleitmaßnahme.
 

Komplikationen

Eine Hüftgelenksdysplasie kann zu schweren Komplikationen führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Die Folge sind Deformierungen des Gelenks, die die Bewegung einschränken und starke Schmerzen verursachen. Das Wachstum des Hüftkopfkerns bleibt zurück, der Schenkelhals, die Verbindung zwischen Oberschenkelknochen und Hüftkopf, entwickelt sich nicht ordnungsgemäß. Es kommt zu verschiedenen Fehlstellungen des Beines. Durch ständiges Auskugeln des Hüftkopfes besteht die Gefahr, dass er seine Stellung verlagert. Beim Neugeborenen entsteht so unter Umständen aus dem umliegenden Weichteilgewebe eine zweite Gelenkpfanne. Dies erschwert anfangs das Einrenken in die „richtige“ Pfanne und macht es später sogar unmöglich.

Aber auch manche Behandlungsmethode wie zum Beispiel das Einrenken ist nicht ohne Komplikationen. Gefürchtet ist hier vor allem die Hüftkopfnekrose. Das Einrenken kann den weichen Hüftkopf des Neugeborenen schädigen, so dass er von der Blutversorgung abgeschnitten ist. Die Folge: Der Hüftkopf stirbt ab, und es kommt zu schwersten Wachstumsstörungen. Daher sollte nach der Behandlung eines ausgekugelten Hüftkopfs eine abschließende Röntgenuntersuchung erfolgen.
 

Prävention

Sinnvolle vorbeugende Maßnahmen sind nach dem aktuellen Wissensstand nicht bekannt

Was kann ich selbst tun?

Die Hüftgelenksdysplasie ist bei Säuglingen in der Regel ohne allzu großen Aufwand erfolgreich behandelbar. Unbehandelt verursacht sie ernste Schäden am Bewegungsapparat, die dem betroffenen Menschen eine starke Einschränkung seines späteren Lebens auferlegen. Deswegen ist es wichtig, dass sich die Eltern eines Babys mit Hüftgelenksdysplasie die für die Behandlung erforderliche Handhabung von Spreizhosen, Bandagen und Ähnlichem genau vom Arzt erklären lassen und alle Anweisungen diszipliniert befolgen. Die Diagnose Hüftgelenksdysplasie erfordert das rasche Einsetzen einer geeigneten Therapie, denn je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf Heilung.